Talisker Blues von Mara Laue

Haggis mit Steckrüben und Kartoffeln, Suppe als Vorspeise und ein Trifle als Nachspeise – das klingt nach Schottland, genauer gesagt: Nach der legendären Burns Night, die heute zelebriert wird.
Für alle, die noch nie an einer Burns Night teilgenommen haben und sich vielleicht auch beim Gedanken an die mit Innereien gefüllte Schafsblase abwenden, die aufgeschlitzt und verspeist wird, gibt es ein weiteres Lockmittel: Whisky. Und zwar jede Menge, denn die Feier zu Ehren des schottischen Dichters Robert Burns wird mit Reden und Trinksprüchen garniert. Whisky trinken ist Pflicht, und nach dem dritten Glas sieht das Haggis gar nicht mehr so schlimm aus.
Wer heute keine Lust auf Alkohol oder Innereien verspürt, aber trotzdem nichts gegen einen kurzen Ausflug nach Schottland einzuwenden hat, für den haben wir eine wunderbare Alternative. Mara Laues »Talisker Blues« entführt den Leser auf die Insel Skye und in die Abgründe der menschlichen Seele.
Worum geht es?
Kieran MacKinnon wird aus dem Gefängnis entlassen. Mit 18 Jahren wurde er für den Mord an seiner damaligen Freundin verurteilt, und an seiner Schuld zweifelt kaum jemand. Selbst Kieran hat kaum Zweifel daran, dass er der Täter ist, fehlt ihm doch jegliche Erinnerung an die alkoholselige Nacht. Schuldgefühle haben aus ihm einen gebrochenen Mann gemacht, der nicht mehr viel vom Leben erwartet – und doch zieht es ihn zurück in seine Heimat, die Insel Skye, wo eine Nacht sein Leben zerstörte. Doch dann passiert, was der passionierte Krimileser bereits ahnt: Kurz nach seiner Ankunft wird eine Frauenleiche gefunden, und wieder deutet alles auf Kieran als den Täter hin.
Soweit die Ausgangssituation des Krimis.
Der Reiz des Krimis liegt unbestreitbar in der Mischung aus Lokalkolorit und Innenschau. Kieran ist dem Leser sofort sympathisch, man fühlt von der ersten Seite an mit und hofft, dass er mit sich ins Reine kommt. Aus bekannten Versatzstücken wie dem falschen Verdacht und dem »cold case«, der neu aufgerollt wird, webt Mara Laue ein dichtes Garn, dessen Spannung sich kontinuierlich steigert. Die Mischung aus intensiver Stimmung und der Mördersuche ist wunderbar umgesetzt. Es gibt Momente, da fühlt man sich als Leser hineingesogen in die Handlung und mitten im Geschehen. Die schottische Insel spielt eine eigenständige Nebenrolle als Handlungsort, sie ist mehr als blasser Hintergrund. Aus diesem Grund ist die Formulierung vom Anfang, der »Ausflug nach Schottland«, fast wörtlich zu nehmen.
Es gibt eine klare Leseempfehlung von uns, und zwar nicht nur zur Burns Night.

Laue, Mara
Dryas Verlag
ISBN/EAN: 9783940258168
12,95 €